Sonntag, 27. April 2014
Teil 3
Der Grund der langen Reisedauer ist das wir bisher noch kein System zum effektiven Bremsen gefunden haben so das wir genauso lange zum Bremsen wie zum Beschleunigen brauchen.“ Als er sah das alle nickten fuhr er fort. „Peter Genster hat nun in den Monaten vor unserem Start zusammen mit ein paar Wissenschaftlern an einem System gearbeitet das ein Strahlensegel erzeugt das eine zusätzliche Bremswirkung bewirkt. Wir hätten so ein paar Jahre Reisedauer eingespart. Leider kam es aus den bekannten Gründen nie zu seiner Fertigstellung. Das System ist aber schon eingebaut. Nun, es scheint...“ er deutete auf den Monitor „ das der Computer aus welchen Gründen auch immer dieses Segel eingeschaltet hat. Und das zusätzlich zum normalen Antrieb. Warum kann ich ihnen nicht sagen, aber das Resultat scheint eine Art, ich nenne es jetzt mal Hypersprung, zu sein. Wie sie sehen können war das Segel für 0,1 Mikrosekunden eingeschaltet. Danach schalteten die Stromkreise wegen Überlastung ab. Innerhalb dieser Zeit legten wir die gesamte Strecke zurück. Ich bin kein Wissenschaftler, daher hab ich selbst keine Ahnung womit wir es hier zu tun haben, aber das Resultat ist wohl eindeutig.“ „Skipper, wir haben ein Problem.“ Gabis Stimme klang hohl durch den großen Raum. Sie schien nicht zu registrieren was um sie herum geschah. „Wir sind wirklich 300 Lichtjahre von der Erde entfernt. Als wäre das nicht genug sind durch dieses Segel auch mehrere Systeme überlastet worden. Unter anderem die Steuerung für den Antrieb und ein Teil der Lebenserhaltungssysteme. Wir haben ein Drittel der Siedler verloren und treiben auf ein Sonnensystem zu.“ Erst jetzt sah sie auf und Tränen liefen ihre Wange hinunter. „Ich habe Angst.“ Ganz leise, fast gehaucht kamen diese Worte über ihre Lippen. Mandusz starrte sie geschockt an, unfähig auch nur ein Wort zu sagen. Mike stöhnte schmerzverzerrt auf. Mandusz beugte sich nach vorne. „ Was soll das heißen? Was genau ist an der Steuerung ausgefallen? Und auf was für ein Sonnensystem treiben wir zu? Besteht Kollisionsgefahr? Das geht doch hoffentlich ein wenig genauer!“ blaffte er. Gabi zuckte angesichts der barschen Worte zurück aber die Wirkung die Mandusz beabsichtigt hatte trat ein. Sie wurde wieder ruhiger. Ihre Augen verengten sich als sie ihre Fähigkeiten angegriffen sah. „Der Energieausfall des Lebenserhaltungssystems betrifft nur Deck 7. Leider hatten wir dort auch viele der Siedler untergebracht. Das Notfallsystem schaltete sich noch kurz ein aber es waren wohl zu viele Leitungen beschädigt so das es auch zusammenbrach.“ Stieß sie zornig zurück. „Das Sonnensystem auf das wir zutreiben ist bei uns nicht auf der Sternenkarte verzeichnet. Wahrscheinlich war es von der Erde aus nicht zu sehen, weil es von einem anderen Stern verdeckt wurde. Das werde ich noch überprüfen. Eine direkte Kollisionsgefahr gibt es anscheinend nicht. Aber auch dazu werden weitere Tests nötig sein. Soweit ich es bisher sagen kann befinde sich 5 Planeten in diesem System. Scans auf bewohnbare Welten konnte ich nicht durchführen, da die Messeinheiten und das Labor nicht online sind, wahrscheinlich ebenfalls durch die Überlastung der Systeme. Der Antrieb ist abgeschaltet. Wir haben keine Kontrolle über ihn. Die Steuerdüsen scheinen noch zu funktionieren. Unsere Geschwindigkeit liegt bei 50.000 km/h. SIR.“
Sie hatte sich so richtig in Rage geredet und unwillkürlich musste Mandusz über ihr Temperament lächeln. Rasch zwang er sich wieder ein ernstes Gesicht auf aber in ihren Augen blitzte ein Verstehen auf und sie beruhigte sich wieder.

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Donnerstag, 24. April 2014
Und weiter gehts
Gabriele Heinz seine Astrogatorin stand tief über den Kartenmonitor gebeugt und Mike der Ingenieur stand neben ihr und schaute sie ungläubig an. „Aber das kann doch gar nicht sein. Wie sollte den so was passieren?“ sagte er in diesem Moment. „Woher soll ich das wissen? Ich kann dir auch nur sagen DAS es passiert ist“ fauchte Gabi zurück. Mandusz spürte wie ihn ein ungutes, ein verdammt ungutes, Gefühl überkam. Gabi war normalerweise die Ruhe in Person. Wenn sie so reagierte musste etwas passiert sein. “Ist etwas passiert?“ Er zwang sich so viel Ruhe und Gelassenheit in deine Stimme zu legen wie es nur ging. Die zwei wirbelten erschrocken herum. Gabi fasste sich als erste. „Hallo Skipper. Sie haben uns ganz schön erschreckt. Tja es sieht so aus, als wären wir etwas vom Kurs abgekommen. Und dazu sind wir vom Computer viel früher geweckt worden als vorgesehen.“ „Und wo und wann befinden wir uns?“ Mandusz schlenderte mit einer Gelassenheit die seine Anspannung nur so herausschrie auf seinen Stuhl zu. „Die Antwort dazu versuche ich gerade herauszufinden. Die Daten die ich hier erhalte könne eigentlich gar nicht stimmen. Danach wären wir über 300 Lichtjahre von der Erde entfernt.“ Mandusz runzelte die Stirn. „300 Lichtjahre mit einem Schiff das gerade mal genug Treibstoff für die sieben Lichtjahre bis zum nächsten bewohnbaren Planeten an Bord hat? Geschweige denn Lebenserhaltungsenergie für den Zeitraum den so ein Flug dauern würde. Wie lange sind wir denn nun unterwegs?“ Gabis Mine verzog sich zu einem hilflosen Lächeln. „Tja das ist ja gerade das Unglaubliche. Nach diesem Schrotthaufen von einem Computer haben wir gerade mal zwei Jahre geschlafen. Das passt doch alles nicht zusammen. Aber der Computer behauptet es steif und fest. Ich habe die Berechnung jetzt drei mal durchgeführt und es kommt immer das selbe dabei raus.“ Verzweifelt schlug ihre kleine Faust auf den Tisch. „Berechnen Sie es ein viertes Mal.“ Mandusz beugte sich über seinen Monitor und fing an selbst ein paar Programme aufzurufen. „Sir?“ Mike sah ihn mit einem merkwürdigen Gesicht an, mit einem sehr merkwürdigen Gesicht. „Sir, ich würde Sie gerne unter vier Augen sprechen, wenn das möglich wäre.“ Unwillkürlich flackerten seine Augen zu Gabi die ihn ihrerseits verwundert anschaute. Mandusz legte sich in seinem Sessel zurück und zögerte. Dann blickte er Mike in die Augen. „Mike...“ Er stockte. “Ist es etwas persönliches?” Als Mike den Kopf schüttelte und etwas entgegnen wollte sprach er weiter. „Dann ist es besser, wenn wir hier reden. Ich weiß das es nicht den Regeln entspricht aber diese Regeln sind auch nicht für solche Fälle entworfen worden. Wir drei sind zurzeit die einzigen aktiven Mitglieder an Bord. Als solche sollten, nein dürfen wir uns keine Informationen vorenthalten nur weil es das Protokoll so vorsieht. Wir sind nicht mehr auf der Erde. Also ist die Geheimhaltung hiermit aufgehoben. Wenn irgendjemand etwas weiß das zur Klärung beitragen kann ist er verpflichtet es zu sagen. Ist das klar?“ Er schaute in die Runde. Beide nickten. Mike räusperte sich. „Na ja, die Sache ist die. Wie Sie ja wissen ist unser Antrieb eine gänzliche Neuentwicklung. Und aufgrund des Kriegs nie getestet worden. Den Berechnungen nach sollten bis auf 0,8 c beschleunigen können.

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Mittwoch, 23. April 2014
Ein weiter Schreibversuch
Kälte. Sie durchzog seinen ganzen Körper. Ließ ihn nicht los. Was? Was war passiert? Wo war er? Mandusz schlug die Augen auf. Die Erinnerung strömte in sein wärmer werdendes Gehirn. Das Kolonieschiff! Er war auf dem Kolonieschiff. Blind tastete er nach dem Schalter für die Cryokammer, fand ihn und öffnete die Tür. Wärme strömte auf ihn ein. Langsam, ganz langsam, stieg er aus der Kammer und griff nach dem bereitliegenden Overall. Er zog ihn an, dann die Schuhe und ging Richtung Kommandozentrale. All das geschah nicht bewusst, sondern war nur die Folge unzähliger Übungen die er vor 35 Jahren absolviert hatte. Mitten auf dem Gang kam Mandusz ruckartig zu Stehen. „35 Jahre. Du bist 35 Jahre älter als das letzte mal wo, du dich gesehen hast!!!!“ Er schaute auf seine Hand. Der Kälteschlaf hatte seinen Körper so ruhig gestellt das er nur 7 Jahre älter wurde, aber die Veränderungen waren doch deutlich zu sehen. „Oder bilde ich mir das nur ein?“ Sicher konnte er sich nicht sein denn als sie aufbrachen hatte noch kein Mensch so eine lange Zeit in der Cryokammer verbracht. „35 Jahre“ der Gedanke ließ ihn nicht los. Mandusz setzte sich wieder in Bewegung. Wenigstens war er der erste, der die neue Heimat sehen würde. Der Gedanke ließ in erschauern. Was sie wohl erwarten würde? Nachdenklich zog er die Stirn kraus. Viele Informationen hatten sie ja bei ihrem Aufbruch nicht gehabt. Sie alle die sich auf diesem Schiff befanden waren im Grunde genommen Flüchtlinge. Oh, das Projekt Newworld existierte schon lange. Aber leider war ja so was kleines wie der große Krieg dazwischen gekommen. Mandusz fletschte die Zähne und seine Augen verengten sich vor Wut. „Unsere ach so zivilisierte Welt. Von ein paar Glaubensfanatikern aus den Angeln gehoben.“ Er erinnerte sich noch zu gut daran. Ein paar religiöse Eiferer die ein neues Zeitalter beginnen wollten hatten die Lasersatelliten der vereinten Nationen unter ihre Kontrolle gebracht und ganze Großstädte vernichtet. Die folgende Hetzjagd hatte in einem Chaos geendet. Jeder beschuldigte jeden und wurde von jedem beschuldigt. Es entbrannte ein fürchterlicher Krieg in dem jede Nation gegen alle spielte. Pakte wurden geschlossen und wieder gebrochen, was zu noch mehr Toten führte. In diesem Chaos das bereits über Jahrzehnte anhielt hatten sich ein paar der fähigeren Leute an das Projekt Newworld erinnert. Die technischen Voraussetzungen waren schon vor dem Krieg geschaffen worden. Das Kolonieschiff trieb in der Umlaufbahn und da es keinerlei militärischen Nutzen hatte kümmerten sich die Staatsmänner nicht darum. Um nicht doch noch Aufsehen zu erregen wurden statt der möglichen zwölftausend nur achttausend Menschen an Bord gebracht. Mandusz und viele andere die an dem Projekt gearbeitet hatten, soweit sie noch lebten, wurden von den Schlachtfeldern oder aus den Gefangenenlagern geholt und setzten ihre Arbeit fort. Das Schiff war nach all den Jahren in einem miserablen Zustand und es waren viele Reparaturen erforderlich. Zudem war das Schiff ja noch nicht ganz fertig, so das sie noch fast volle zwei Jahre brauchten bis das Schiff abflugbereit war. Zwei Jahre lebten sie mit der Furcht entdeckt zu werden und kurz vor dem Abflug wäre es auch beinahe passiert. Peter Genster, einer der geistigen Väter der ganzen Sache, war aufgeflogen. Er hatte sich selbst geopfert und so die Leute der Newage, so hieß das Kolonieschiff, gerettet. Leider hatte das auch einen immensen Rückschlag für die Mission bedeutet, weil Genster neben seiner visionären Kraft auch derjenige war der sich um das Ziel gekümmert hatte und so hatten sie beim Start wenig mehr als die Zielkoordinaten. Die Angst vor einer Entdeckung hatte seltsame Blüten getrieben und so waren selbst ihm, Mandusz, als Piloten nur die absolut Notwendigsten Informationen gegeben worden. Er wusste ebenso wenig über den Planeten wie auch über die restlichen Besatzungsmitglieder an Bord oder gar über die Siedler. Seine Astrogatorin und der Chefingenieur waren die einzigen neben seinem EinsO, die er während der Startphase kennen gelernt hatte. Viel Zeit hatten sie durch die Hektik des Starts noch nicht miteinander verbracht und danach waren sie ja direkt in die Cryokammern gegangen aber das was er mitbekommen hatte stimmte ihn zufrieden. Es waren gute Leute. Endlich erreichte er eine der Transportgondeln, die das ganze Schiff durchzogen. Er stieg ein und aktivierte die Zielkontrolle. Lautlos setzte sie Gondel sich in Bewegung. „Wenigstens funktioniert das. Wäre ja noch schöner, wenn ich den ganzen Weg zu Fuß laufen dürfte.“ Dachte er mit einem angespannten Grinsen. Durch die Entdeckung Gensters waren sie gezwungen gewesen zu starten, obwohl noch nicht alle Systeme einwandfrei arbeiteten. Alles lebenswichtige war in Ordnung aber viele Kleinigkeiten wiesen noch Fehlfunktionen auf. „Wie zum Beispiel die Tür zur Brücke.“ Mandusz rieb sich in Erinnerung die Stirn. Mehr als einmal war er gegen diese verdammte Tür gelaufen, weil sie sich willkürlich schloss. Oder seine Cryokammer. Die Brückenmannschaft hatte eigene Kammern direkt in der Nähe der Brücke um schneller in Bereitschaft zu sein, falls irgendetwas passieren sollte. Leider ließ sich seine Kammer nicht aktivieren so das er gezwungen war auf eine auf dem Siedlungsdeck auszuweichen. „Wenigstens ist das Schiff nicht voll ausgebucht sonst hättest du ganz schön dumm aus der Wäsche geguckt.“ Bei dem Gedanken musste er laut lachen. Ein Klingelton kündigte an das er sein Ziel gleich erreicht haben würde. Er stand auf und strich seine Uniform glatt. Die Tür glitt auf und vor ihm breitete sich das imposante Panorama der Brücke aus. Das Schiff war damals auch nach Kostengründen konstruiert worden. Dadurch hatte man versucht auf bereits vorhandenes zurückzugreifen und die Brücke war ein Resultat dessen. Sie stammte aus einem Kriegsschiff und war dementsprechend groß. Umbauten hätten zusätzlich Geld gekostet und so war die alte Aufteilung erhalten geblieben. Nicht das Mandusz etwas mit dem Platz des Waffenoffiziers oder ähnlichem etwas hätte anfangen können, aber das Bild, das diese Brücke mit all den blinkenden Lichtern Schaltern und Monitoren bot, war einfach atemberaubend und nicht mit einer zivilen Brücke zu vergleichen. Er drehte den Kopf, als er ein aufgeregtes Murmeln vernahm.

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Dienstag, 22. April 2014
Die dampfende Stadt
Gelber Nebel lag an diesem Morgen über der Stadt. Die Farbe wurde von der aufgehenden Sonne, die auf die Kupferdächer schien, noch intensiviert. Langsam drang der stärker werdende Lärm einer erwachenden Stadt nach oben. Die Stadt schmiegte sich an den langsam ansteigenden Berg Allaborn und wurde auf der anderen Seite von dem mächtigen Strom Lebenswasser begrenzt. Jetzt schälten sich die Konturen aus dem nachlassenden Nebel. Der riesige Hafen mit seinen unglaublichen dampfbetriebenen Ladekränen, die Kupferbahnlinie mit den schnaubenden Dampfloks, das Kesselhaus der Wasserversorgung von dem aus das Trinkwasser den Berg hochgepumpt wurde, die Schornsteine der Handwerksbetriebe an den oberen Berghängen und über allem drohnte das Monumentale Schwungrad des Kupferbergwerks. Belont zog die Schultern hoch. Es war kalt und er hasste es so früh unterwegs zu sein. Liebend gern hätte er sich noch einmal die Decke über den Kopf gezogen. Aber er wusste, wenn er noch einmal zu spät zur Arbeit erschien würden sie ihn raus schmeissen. Also steckte er die Hände in die Taschen und stapfte zur Esse von Meister Garmich. Wahrscheinlich würde er heute mal wieder nur Botengänge erledigen. Eine Ausbildung zum Handwerker war sein Traum, aber dieses Privileg bekamen nur die Söhne höher gestellter Persönlichkeiten. Er war jedoch nur ein Bastard ohne Familie. Wem wäre schon daran gelegen ihm eine Chance zu geben. Das vibrieren der Schmiedehämmer war durch den Boden zu spüren als er die Tür öffnete. Aber irgendetwas stimmte nicht. Noch während er irritiert den Gang entlang ging wurde ihm bewusst was fehlte. Die Stimmen. Normalerweise tönten die Schreie derer durch die Halle die versuchten die Maschinen zu übertönen. Er öffnete die Tür zur Produktionshalle. Alle standen im Kreis um etwas herum was Garmich nicht erkennen konnte.

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